Gleichmut. Wie geht es weiter?

Anne, Februar 2021

Manchmal lichtet sich der Vorarlberger Himmel am späten Nachmittag und die zartrosa Wolken lassen die Abendsonne noch durchdringen. Das Gelb, welches sanft in Orange und schlussendlich in Rosa bricht, trifft mitten ins Herz. Die unendlich schöne Stimmung trägt so viel Leichtigkeit, Friede und Zuversicht in sich.
Wir alle kennen diese Momente, die unser Herz erfrischen und erfreuen. Sei es wenn der Wind am Alten Rhein oder im Ried durch unser Haar weht, wenn wir am Bödele durch den tiefen, glitzernden Neuschnee stapfen oder vom Karren in Richtung Bodensee blicken, entzückt von den Lichtern, der Lebendigkeit und Schönheit dieser Landschaft. Es sind die Momente, in denen wir uns geborgen als Teil dieses perfekt funktionierenden, sich ständig bewegenden und transformierenden Universums fühlen.
Es sind Momente der Einheit, der Dankbarkeit und der großen Demut vor dem menschlichen Leben. Wir sind Teil eines großen Ganzen, Miniteil einer Galaxie inmitten vieler anderer Galaxien. Wir sind sozusagen ein «Furz» in dieser universellen Bewegung.
Dankbarkeit und Demut sind derzeit unsere Anker, das Auskosten und Sich-Vertiefen im Gegenwärtigen. Die schönen und auch schwierigsten Momente zur Ewigkeit werden lassen. Einssein mit dem, was ist. Im Jetzt sein.
Wenn wir nicht Eins sind mit dem gegenwärtigen Moment, versuchen wir immer Herr der Lage zu sein. Alles unter Kontrolle zu haben. Wir fangen an zu vergleichen und zu bewerten. «Das ist gut, das ist schlecht», «das ist richtig und das ist falsch!» Wir wollen bezwingen, beherrschen und kontrollieren … Das ist Dilemma unseres Egos.
Aus dem Tao Te King
«Ohne vor die Tür zu treten kannst du dein Herz der Welt öffnen. Ohne aus dem Fenster zu blicken, kannst du das Wesen des Tao erschauen.
Je mehr du weißt, desto weniger begreifst du.
Der Meister kommt an, ohne abzureisen. Schaut das Licht, ohne zu sehen. Vollbringt, ohne irgendetwas zu tun.»
Versuchen wir es, die Tage trotz — oder vor allem weil wir in der Krise stecken — auszukosten. Bewusst uns spüren, bewusst leben und somit an den Umständen reifen, gewachsen aus der Krise ins weitere Leben treten.