Freundlichkeit

Anne, Juni 2019

«Möge ich frei von Angst und Leid sein. Möge ich glücklich sein, so wie ich bin. Möge ich friedvoll sein, egal was kommt. Möge ich lernen, behutsam mit der Weichheit meines Herzens umzugehen.
Mögen alle Lebewesen in allen Welten glücklich und frei sein.»

Metta ist einer der vier göttlichen Verweilzustände (in Sanskrit Brahmavihara), diese bilden die Basis von vielen Meditationsübungen im Theravada- und Mahayana-Buddhismus. Metta wird übersetzt mit Güte und Liebe. Damit die vier Geisteshaltungen unermesslich sein können, sind geistige Stabilität und unterscheidendes Gewahrsein erforderlich.
Metta ist eine Praxis, um die Aufgabe von verletzendem Verhalten, Verbitterung, Voreingenommenheit und Nächstenblindheit zu erreichen und um eine Geisteshaltung der Freundlichkeit, Brüderlichkeit, Einigkeit und des Wohlwollens zu entwickeln. Metta ist Liebe, also das Gegenteil von Haß, Bösartigkeit, Stolz, Ungeduld und Arroganz.
So wie ich den Abschluss der Yogaklasse gestalte, ist dies aber keine Metta Meditation. Der Rahmen dafür müsste ein anderer sein. Für mich sind diese Sätze am Ende jeder Klasse lediglich ein Innehalten und Erinnern, eine Anregung zur Reflexion des gegenwärtigen Moments.

Angst — wie gehe ich mit meinen Ängsten um? Sind meine Ängst tabuisiert oder spreche ich sie aus und gehe ich mit ihnen offen um? Wie wirken sich meine Ängste vor Getrenntsein, Einsamkeit, nicht geliebt zu werden, vor Kontrollverlust und dem Tod aus? Denke ich darüber nach? Ist mir meine Endlichkeit wirklich bewusst?
Glücklich sein — Was für Vorstellungen und Bilder habe ich von einem glücklichen — «geglückten» Leben? Wovon mache ich mein glücklich sein abhängig? Was sind meine Glaubenssätze? Darf ich ein glücklicher Mensch sein ohne z.B. Erfolg im Beruf, mit wenig Einkommen oder einer gescheiterten Beziehung?
Friedvoll sein — kann ich mit dem Fluß des Lebens mitgehen? Sehe ich alles als Bereicherung, als neue Herausforderung oder als Einschränkung und Übergriff in meine persönliche Freiheit? Wie häufig lebe ich eigentlich im Kampf und Ärger mit dem, was gerade jetzt ist?
Der Umgang mit der Weichheit des Herzens — nehme ich meine Gefühle wahr und ernst? Stelle ich mich meiner Verletzlichkeit und Scham? Bin ich authentisch und echt und stelle ich mich somit der Gefahr, ausgegrenzt zu sein?
Vermutlich ist dies nur ein geringer Teil von Fragen und Gesichtspunkten, die bei der genaueren Reflexion ins Bewusstsein kommen (können), und für jeden zeigen sich sicherlich ganz persönliche Aspekte.
Die Metta — Sätze zum Schluss der Yogaklasse sind für mich kein Gebet, kein Flehen um Schutz und Zufriedenheit. Sondern sie sollen uns daran erinnern, ein liebender Mensch zu sein. Den gegenwärtigen Moment als ganz und vollkommen zu sehen und sich beim Auftauchen vom Gefühl des Mangels, Unvermögens oder Getrenntsein sich daran erinnern, die einfache, Ausgleich schaffende Frage zu stellen:
Wie kann ich jetzt in diesem gegenwärtigen Moment mehr lieben?
Sehr gerne lade ich dich zu einem Yin Yoga am Sonntag Abend ein, um sich dieser schönen und dennoch ein Leben lang anhaltenden Praxis des «Liebens und Loslassens» zu widmen.