Winter

Anne, Dezember 2019

«Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser!»
— Goethe

Nach diesem sehr langandauernden schönen Herbst ist er nun doch noch über uns hereingebrochen — der Winter! Auch wenn er noch nicht so ganz seine Schönheit entwickelt hat, lädt er uns trotzdem ein, uns jahreszeitlich einzustimmen und insgesamt etwas langsamer zu treten.
Das zweite Kapitel des Suwen (Klassiker der chinesischen Schöpfungsphilosophie) beschreibt, wie sich der Mensch im Einklang mit der Natur in der Jahreszeit entsprechend zu verhalten und was er zu beachten hat:
«Die drei Wintermonate heißen Verschließen und Bewahren. Das Wasser gefriert und die Erde bricht auf. Es gibt keine Verbindung mehr zum Yang. Man geht früh zu Bett und steht spät auf. Man muss alles, was man tut, auf das Sonnenlicht abstimmen. Man hält den Willen im Verborgenen zurück und kümmert sich nur um sich selbst. So wendet man sich selbst zu und ist man selbst. Man soll die Kälte meiden und die Wärme suchen. Man sollte keinen Schweiß über die Haut verlieren und damit das Qi erschöpfen. Denn auf diese Weise wird das Leben erhalten und bewahrt. Gegen diesen Strom zu gehen heißt die Nieren zu schädigen, was im Frühjahr Schwächung verursacht, da es nicht genügend zur Erneuerung des Lebens beizutragen gibt.»
Auch wenn wir nicht mehr in Jurten oder Blockhäusern leben (schade eigentlich!), macht es Sinn, sich energetisch auf den Winter einzulassen, mit der Yin-lastigsten Jahreszeit ganz mitzuschwingen. Auch wenn es uns schwer fällt — wenn wir gesund und zufrieden bleiben (oder werden) wollen, steht es genau jetzt an, sich dem Element Wasser und der wesentlichen Qualität dieses Elementes hinzugeben — der absichtslosen Willenskraft: Lausche deiner inneren Stimme, werde still — gönne dir den Luxus, nichts tun und vor allem nichts wollen zu müssen.
Lass Stille und Leere entstehen und gib ihnen Raum in dir!